Jagd auf Rudi 3 - von Sascha Straube

Endlich ist der März da. Ich mag den März weil er eigentlich immer das sichere Ende des Winters einläutet und dazu des Öfteren ein paar wärmere Tage mit sich bringt. Ich freu mich generell auf die Übergangszeit! Ich mag diesen Wechsel der Jahreszeiten. Gerade der Frühling hat für mich so etwas erfrischendes und euphorisches an sich. An jedem Tag kann man die Natur beobachten wie sie sich weiter den lästigen, kalten und grauen Winter abschüttelt und ihre Farben in voller Pracht präsentieren möchte. Die Tage werden länger, die Sonne wird wärmer, alles sprießt und die Vegetation verfärbt sich hin zu einem saftigen Grün.

 

Der Frühling nähert sich

Ich selbst war nie ein Winterfan. Klar genieße ich auch mal die Ruhe, egal ob im Hobby oder zuhause. Die wärmere Zeit treibt dennoch meinen Geist, meinen Spirit bedeutend mehr an.

Was bleibt zu dieser Zeit sind die vom Winter stark heruntergefahrenen Gewässer. Mein Baggersee liegt heute fast leblos vor mir. Eine Session war relativ erfolgreich, auch wenn ich anscheinend ein Nest mit frisch besetzen Fischen gefunden hatte. An diesem Tag konnte ich in acht Stunden Angelzeit zwölf Läufe verbuchen. Jedes Mal hoffte ich auf den dicken. Leider blieb er an diesem Tag aus. Das Durchschnittsgewicht pendelte sich bei ca. 2-3 kg ein. Klar hatte ich mich über jede Aktion gefreut, wenn gleich ich auch mehr wollte. Deswegen kam nach jedem Fisch ein neuer ultra scharfer Haken zum Einsatz. Erfolg muss zu dieser Zeit erarbeitet werden. Gerade wenn ich hier „arbeite“ und meinen Zielfisch fangen möchte, ist es für mich wichtig zu wissen, dass meine letzten Zentimeter der Montage und natürlich der Haken ihr vollstes Potential ausspielen können. Die Session begleitete mich ein starker Sturm mit Windböen an die 85km/h. Ich glaube ich hatte mein Brolly noch nie mit so vielen Pegs gesichert wie an diesem Tag. Was bleibt ist das Erlebnis.

 

Inzidenzen

Problematisch wurde es durch Corona so gut wie von selbst. Teilweise hat es sich noch dramatischer entwickelt. In dem Landkreis in dem der Baggersee liegt, pendelte sich in der zweiten Märzhälfte der Inzidenzwert bei Katastrophalen 246 bis teilweise 294 und mehr ein. In meiner Heimatstadt Nürnberg liegt dieser Wert bei knapp 150. Ich will eigentlich nicht darüber schreiben, aber genau diese Werte haben mittlerweile nicht nur gefühlt den selben Einfluss auf meine Kampagne wie das jetzige Wetter. Tagessessions bleiben mir weiterhin erhalten und sind das einzige mögliche. Eine Nacht zu machen rückt in sehr weite Ferne. Die nächste Tagessession verlief alles andere als rosig. Es fing an mit einem Blitzer am Morgen, ganz klar Dummheit muss bestraft werden. Ich war einfach zu heiß aufs Angeln… Meinen Kaffee inkl. Milch hatte ich vergessen und nasse Füße bekam ich am Nachmittag, weil ich auf erfrischende Weise lernen sollte, nicht in Crocs am nassen Steilufer herum zu turnen. Ich startete mit meinen Poppies an Multi Rigs. Die 6er Kamakura Choddys sollten alles verhaften was nur leichtes Interesse an den bunten kleinen PopZ äußertw. Das Rig relativ kurz und steif, so entstand wenig Spielraum für die trägen Jungs da unten.

 

Ganz genau

Pro Rute warf ich zum Start wieder drei Spombs sehr akkurat. Mit Hilfe der Distance Sticks und genauem Abklippen kein Problem. Die Spombs gefüllt mit meinem pürierten Rambazamba-Haferflocken-Dosenmaisgemisch, welches ich zusätzlich mit Liquid pimpte. Das alles sollte anscheinend aber gänzlich unberührt liegen bleiben. Also nach knapp vier Stunden ausharren und hoffen blieb nur eins - moven!!! Selbst das Moven in eine ruhige, windgeschützte und leicht schlammige Bucht, die im Sommer relativ stark verkrautet ist, brachte nicht mal mehr einen der Kleinen ans Band. Auch ein mehrfach umgeworfenes Zigrig brachte nicht den Erfolg. Die Fische zeigten sich einfach nicht… Schuld war vielleicht der Kälteeinbruch mit erneutem Nachtfrost bis minus 8 Grad, dazu ein mäßiger Nordostwind und Tagestemperaturen von knapp 2 Grad plus. 

Sowas holt einen schnell und hart auf den Boden der Tatsachen zurück.

 

32 Läufe an einem Tag – jetzt geht’s ab!

Von fünf früh bis abends um zehn ist Angriff, alles andere ist Schonzeit. Zwei Wochen später sieht die Welt dann aber schon anders aus. Klar die Ausgangssperre steht nach wie vor. Die Tagessessions mit einem Wecker früh um vier sind mittlerweile fester Bestandteil der derzeitigen Angelei. Es steht das Osterwochenende vor der Tür. Die Luft ist durch die immer stärker werdende Sonne angenehm warm. Das Wasser hat sich um weitere drei Grad erwärmt. An der Oberfläche messe ich an sonnigen Tagen teilweise 14 Grad. Seit einer Woche ist der Frühling in seiner vollen Pracht da. Bei meiner Ankunft kurz vor Einbruch der Dämmerung kann ich einige Fische in einem Areal ausmachen. Der mitgebrachte Becher Kaffee ist noch nicht getrunken, da feuert die erste Rute ab. Heute scheint es als würden die Fische nur auf meine Baits warten. Verrückt! Die sonnige Session endet abends um neun mit sagenhaften 32 Läufen. Viele kleine unter 5 kg sind natürlich dabei, aber auch 6 bessere um die 11 kg. Durchangeln ist hier nunmal an der Tagesordnung. Leider bleibt mir heute noch einer der ganz dicken oder genau der dicke Rudi verwehrt. Ganze vier Tage später liegen plötzlich wieder 2-3 cm Schnee. Nachtfrost bis minus 5 Grad. Genau zu meiner Urlaubswoche ein erneuter Wintereinbruch. Eine Session gebe ich meiner Winterkampagne jetzt noch Zeit. Die letzten fünf Monate vergingen teilweise rasend schnell und dann zogen sie sich auch extrem hin, das Ziel trieb mich an und gab mir den nötigen Drive. Diesen Winter war es mir nicht möglich, den Zielfisch zu fangen. Wer weiß, was noch alles in diesem Jahr an meinem Baggersee passiert… Das ein oder andere mal werde ich sicher eine Session hier einplanen. Mein Zielfisch Rudi ist irgendwo da unten in den Tiefen des 22ha Gewässers. Der Fokus wird in der nächsten Zeit wieder mehr auf meinem Hausgewässer, dem Kanal liegen. Mein Kumpel Christian und ich haben schon die Pläne für dieses Jahr geschmiedet, aber damit geht es in dem Blog „Stahl und Beton bei Nacht“ weiter. 

 

Ich wünsche allen Lesern eine gute Zeit, habt Respekt und viele krumme Ruten!

 

Tight Lines

Sascha Straube

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