Jagd auf Rudi #1 - von Sascha Straube

Es ist düster, es ist kalt - ich bin wach. Die Augen gehen langsam auf und der Blick geht nach oben. Das Wasser hängt in dicken Tropfen an der Decke meines Brollys. Eigentlich hätte ich von einem der dicken und eisigen Tropfen die die Zeltwände herunterfließen geweckt werden müssen. Ein ungemütlicher Anblick ist das! Nur gut, dass ich mir während dieser eisigen und frostigen Nacht den Schlafsack samt Überdecke komplett über den Kopf gezogen hatte. Dazu noch die Mütze über die Augen und den Schlauchschal über die Nase. Man hätte mich entführen können, ich hätte nichts gehört oder gesehen – es ist Winter…

Lohnt sich das noch? 

So vermummt bleibt es schön warm, wenn die Wärmflaschen irgendwann nachts um zwei den Geist aufgeben. Die Zeltheizung schalte ich sowieso zum Schlafen ab. Ein ekliger, kalter, nasser Anblick da oben. Eine Armlänge über mir. Flatsch!!! Schnell in Deckung, es tropft! Ich brauch einen heißen Kaffee! Es ist eben Winter. Ich will mich eigentlich verkriechen. Irgendwie auch nicht. Dieses gedankliche Schauspiel kennt so gut wie jeder von uns. Sind es die kalten Füße und die halb erfrorenen Finger wert? Netflix und das Sofa haben ihren Reiz – ganz klar. Dieser Baggersee mit diesem einen Fisch aber auch. Meinem Zielfisch für die Winterkampagne 20/21. Das Jahr über befische ich andere Gewässertypen. Mich zieht es an Kanäle, große Stauseen und nicht an diesen knapp 20ha großen und durchschnittlich sechs Meter tiefen Swimmingpool. Denn ab Mai verwandelt sich der Baggersee bis Ende September zu einem Naherholungsgebiet, einer "Motocross Strecke" und einem Badespaß-Eldorado für jung und alt. Hier trifft sich die Dorfjugend zum Shisha-Rauchen und Chillen. Die Leidtragenden sind wir, die Angler. 

Winterwahl

Deshalb ist dieser Baggersee genau jetzt mein Gewässer erster Wahl. Teilweise gespenstische Ruhe nachts, und tagsüber immer dieselben drei Hundebesitzer die vorbeikommen – das war's. Ich habe meine Ruhe, ich genieße sie. Volle Konzentration auf das was da kommen mag oder auch nicht. Und, viel wichtiger für mich, ich arbeite auf das große Wiedersehen hin. Im Sommer ist der See ein typischer Vereinssee. Einige Dauercamper gepaart mit dem eher geringen angeldruck einiger Kollegen über die Wochenenden – dieser See gilt eher als "Runswater". Die Fische reagieren in den warmen Monaten oder aber ab einer Wassertemperatur von ca. 14-16 Grad so brutal auf das eingebrachte Futter, das man teilweise über Nacht die Ruten heraus nimmt und so auch mal Entspannung und eine Mütze voll Schlaf findet. Jetzt im Winter ist es genau das Gegenteil. An den Ufern stehen keine Camps mehr. Für eine Tagessession ist den meisten Anglern des Vereins die Fahrtstrecke von knapp 90 km einfach zu weit. Sobald die Wassertemperatur auf unter 10 C sinkt wird es auch unter Wasser bedeutend ruhiger. 

Der Zielfisch: Rudi.

Rudi ist ein langer, rostbrauner, dickhäutiger Spiegler mit zwei markanten Apfelscheiben-Schuppen auf der linken Seite. Eigentlich ein Bekannter, da ich ihn in den letzten vier Jahren bereits zweimal fangen durfte. Beide Male im späten Frühjahr mit jeweils gut 21kg Gewicht. Also war das Ziel für meine einsame Winterkampagne diesen "alten Kumpel" aus den eisigen Tiefen des Baggersees heraus zu locken. Meine Hauptangelzeit waren einzelne Tage an den Wochenenden. Ich wollte mobil bleiben, um reagieren zu können und diesem einen Fisch regelrecht hinterherzujagen. Standorttreu war Rudi nie. Wenn man alle bekannten Fänge der letzten Jahre vergleicht, gibt es kein wirkliches Verhaltensmuster. Keine Pop Up-Farbe, keine Futterstrategie und erst recht keine "Lieblingsbaits". Was ich weiß ist, das Rudi ein- bis zweimal im Jahr gefangen wird. Hoffentlich auch im Winter, diesem Winter? Jede Ecke, jeder Abschnitt und jede Tiefe des Sees ist Rudis Heimat. Ein ziehender Genosse in dieser 20ha Badewanne. Wo fängt man da an!? 

First blood

Die erste Session war zugleich der Startschuss für meine Kampagne. Es war mittlerweile Anfang November. Kein typischer November. Mildes Wetter, ja fast noch Tshirt-Wetter. Zumindest meine 5 Spombs crushed Rambazamba gemischt mit zerstampftem Dosenmais und Micropellets warf ich im Tshirt. Der einzige sichtbare Hotspot im See ist die Insel. Umsäumt von mehreren Biberburgen und einer steil abfallenden Kante – ein wahrer Hotspot. Wurfdistanz sind 28 Wraps. Mit dem Futterboot natürlich deutlich entspannter und solange es nicht frostig ist sollte das rt3 mein Helfer sein. In den ersten beiden Sessions konnte ich pro Tag noch 5-8 Läufe verbuchen. Keine Riesen, aber Durchangeln ist hier Programm. Wie gesagt ein Runswater ist im Winter Gold wert. Genau deswegen ist dieser See auch prädestiniert für den Winter. Ab der dritten Session ging es dann schon etwas anders los. Schneefall, Temperaturen am Morgen von -5 C und ein grau in grau sollten nun den Winter einläuten. Auch ich hab's begriffen, ja in knapp drei Wochen ist Weihnachten…

Winterchallenge

Außer einer Brasse konnte ich an diesem Tag keine Fänge verbuchen. Und so ging es weiter. Mittlerweile waren es drei Versuche auf dem gleichen Platz, im Windschatten der Insel vor dem Biberbau, ohne ein richtiges Ergebnis. Ich wurde stutzig. Wenn selbst an dem vermeintlichen Hotspot keine kleineren Fische stehen, muss ich wohl etwas ändern. Die Folge war, dass ich schon bei dem knapp einstündigen Nachhauseweg anfing zu analysieren und zu hinterfragen. Ich denke jeder, der sich irgendwann mal ein Ziel gesetzt hat kennt dieses Gedankenspiel, wenn es plötzlich nicht so läuft wie man das gerne hätte. Das kann man noch ewig so weiterspinnen. Das wichtigste denke ich ist in diesen Situationen den nötigen Abstand zu wahren, um nicht zu verbissen an die Sache ranzugehen. Ich war bereit für die Winterchallenge, das war zumindest für mich sicher. Eine Woche später, gedanklich neu ausgerichtet und motiviert, machte mir dann der Winter einen Strich durch die Rechnung. Der gesamte Baggersee war zugefroren. Die Reise mit Rudi sollte noch weiter gehen, nur dieses Wochenende eben nicht. Ich stand im Morgengrauen am Ufer, trank meinen Kaffee, schwelgte in Gedanken und blickte über das Eis, bevor ich mich wieder auf die Heimfahrt machte.. 

Drei Tage später entschied die bayrische Staatsregierung eine Ausgangssperre zwischen 21 Uhr und 5 Uhr und dazu das Ganze mit einem Bewegungsradius von 15km zu begrenzen. Wir wissen alle warum… Vorerst wurde mir somit die Winterkampagne streitig gemacht, aber es geht weiter, das ist sicher!!!

Auf ein Wiedersehen mein Freund Rudi.

Viel Gesundheit und gutes Durchhalten.

Sascha Straube

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